»Welche Unordnungen in der natürlichen Grazie des Menschen das Bewußtsein anrichtet«

9,80 

Heiko Postma

Artikelnummer: 978-3-940970-18-3 Kategorie:

Beschreibung

Am 21. November 1811, vor 200 Jahren, erschoß der damals 34jährige Heinrich von Kleist am ‚Kleinen Wannsee‘, nahe Potsdam, zuerst seine Freundin, die krebskranke Henriette Vogel, und dann sich selbst. ‚Die Wahrheit ist‘, hatte er im Abschiedsbrief an seine (Halb-)Schwester Ulrike geschrieben, ‚daß mir auf Erden nicht zu helfen war‘. Statt dessen träumte er von ‚lauter himmlischen Fluren und Sonnen, in deren Schimmer wir, mit langen Flügeln an den Schultern, umherwandeln werden.‘ Ein knappes Jahr zuvor hatte Kleist in seinem Prosastück ‚Über das Marionettentheater‘ den paradiesischen Zustand der glücklichen Selbst-Identität umdacht und beklagt, ‚welche Unordnungen‘ seit dem Sündenfall, dem Erwerb der Reflexivität, ‚in der natürlichen Grazie des Menschen das Bewußtsein anrichtet‘. Dieser Konflikt zwischen unbedingter, innerer Gefühlssicherheit und reflektierendem Bewußtsein prägte im Grunde Kleists ganzes, von Krisen, Brüchen, Katastrophen durchzogenes Leben und auch weite Teile seines – in weniger als einem einzigen Jahrzehnt entstandenen – OEuvres, des dramatischen wie des erzählerischen, das sich dabei eine Wirkungsmacht auf Leser oder Zuschauer bewahrt hat, wie sie kaum ein anderer ‚Klassiker‘ der deutschen Literatur erreichte: Fast alle Theaterstücke Kleists, ob ‚Amphitryon‘ oder ‚Der zerbrochne Krug‘, ‚Das Käthchen von Heilbronn‘ oder ‚Der Prinz von Homburg‘, selbst die ‚Penthesilea‘ gehören zum festen Repertoire der Bühnen; seine dramatischen, gleichwohl fast protokollhaft konzisen Erzählungen wie ‚Das Erdbeben in Chili‘, ‚Die Verlobung in St. Domingo‘ oder ‚Die Marquise von O.‘ zählen, genau wie seine einzigartigen, in knappstem Duktus gestalteten Anekdoten, zum Grundbestand deutscher Prosa, auch wenn sich diese Werke (und ihr Autor selber.) immer wieder einer ‚gültigen‘ Deutung entziehen. In diesem Buch unternimmt Heiko Postma eine Annäherung an Leben und Werk Heinrich von Kleists, der auch zweihundert Jahre nach seinem Tod in so Vielem ein Rätsel geblieben ist.

Zusätzliche Information

Größe 12 × 20 cm